
Julian Röpcke kehrt X den Rücken ‒ vorerst zumindest

Von Gert Ewen Ungar
In vollendetem Denglisch verkündete heute Julian Röpcke das Ende seiner Präsenz auf X. Neben Paul Ronzheimer ist Röpcke der wichtigste BILD-Propagandist zum Thema Ukraine-Krieg. Im russischen Fernsehen wird er tatsächlich immer genau so anmoderiert, wenn dort auf seine Beiträge zurückgegriffen wird. "Propagandist Julian Röpcke".
Dear all,After 5,661 emotional days on Twitter/X, I have decided to stop posting my personal opinions and updates here, as well as commenting on others’ posts.I will not be moving to any other platform to do so instead.From now on, this account will solely release…
— Julian Röpcke🇺🇦 (@JulianRoepcke) April 2, 2025
Röpcke folgt in seiner Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt streng dem vorgegebenen Narrativ des Westens vom "russischen Angriffskrieg", vom "brutalen Überfall Russlands". Sein Arbeitgeber, das Springerblatt BILD, hält Putin für einen Diktator und macht das bei nahezu jeder Namensnennung deutlich: "Diktator Putin" ist dort regelmäßig zu lesen. Politiker mit hohen Zustimmungswerten, die bei Wahlen gut abschneiden, weil sie erkennbar die Interessen des Landes und seiner Bevölkerung im Blick haben, sind natürlich mit echten Demokraten wie EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, die gar nicht erst gewählt werden konnte, oder Frankreichs Präsident Macron, der sich trotz niederschmetternder Umfragewerte an die Macht klammert und politische Konkurrenten juristisch ausbooten lässt, nicht zu vergleichen.

Nun lassen sich diese offensichtlich absurden Narrative des Mainstreams nur dann halbwegs aufrechterhalten, wenn sie gegen jede faktenbasierte Diskussion abgeschirmt werden. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland und der EU Zensur. Sie wird als Kampf gegen russische Desinformation gegenüber dem Bürger gerechtfertigt. Das Problem an der vermeintlichen Desinformation ist, dass sie deutlich näher an der Realität und den tatsächlichen Abläufen ist als die verlogenen Narrative aus Berlin und Brüssel. Diese zeichnen die Welt in Schwarz und Weiß, unterteilen in Gut und Böse. Es sind schlichte, unterkomplexe Botschaften, die aufgrund dieser Schlichtheit von der Wahrheit maximal weit entfernt sind. Röpcke ist mit vielen anderen ein Multiplikator dieser ganz schlichten Botschaften.
Allerdings verlieren sowohl Berlin als auch Brüssel derzeit die Kontrolle über den Informationsraum ‒ zumindest ein bisschen. Die Plattform X weigert sich zunehmend, die Zensurmaßnahmen der EU umzusetzen. Das soll nicht heißen, dass es auf X keine Zensur mehr gibt, aber sie ist gelockert. Schon diese kleine Lockerung macht Propagandisten wie Röpcke das Leben schwer. Röpcke spricht es nicht aus, aber es ist anzunehmen, dass hier der Grund zu suchen ist, warum er X verlässt. Er ist damit nicht allein. Es gibt eine regelrechte Austrittswelle von Journalisten mit Propagandaauftrag und Institutionen der deutschen Desinformation, an der sich ablesen lässt, wie schwer man sich in Deutschland mit Meinungsfreiheit tut.
Hinzu kommt, dass die US-Regierung die Finanzierung von USAID eingestellt hat. Seitdem ist es in den sozialen Netzwerken stiller geworden. Für diejenigen, die nicht der vorgegebenen Propaganda folgen, ist das positiv, denn auf einen vom offiziellen Narrativ abweichenden Tweet springen nicht sofort Hunderte von Troll-Accounts auf, die den Verfasser und mit ihm all jene beschimpfen, die an einer ernsthaften Unterhaltung interessiert sind.
Für Röpcke und Co. ist das allerdings ein Problem. Sie müssen sich jetzt mit Argumenten auseinandersetzen. Das sind deutsche Journalisten nicht gewöhnt. Der inhaltliche Diskurs fällt ihnen schwer, denn außer den Schlagworten der westlichen Propaganda haben sie nichts zu bieten. Dass sich Röpcke mit Zweit-, Dritt- und Viert-Accounts in das Heer der Trolle eingereiht hat, ist zudem mehr als nur wahrscheinlich. Dass er selbst von USAID bezahlt wurde, ebenso. Röpcke ist kein Journalist, er ist Propagandist, wie in Russland richtig erkannt wurde. Es geht ihm nicht um Nachrichten, sondern um die Steuerung der Gesellschaft. X ist dafür nicht mehr der richtige Ort. Zumindest nicht mehr ganz.
Er will X weiter nutzen, um seine Propaganda-Beiträge in der BILD-Zeitung zu streuen. Richtig vermissen werden ihn die wenigsten, geht aus den Kommentaren unter seiner Ankündigung hervor. Ob er sein Abstinenzversprechen überhaupt durchhält, ist zudem fraglich. Diejenigen, die schon bei der Übernahme von Twitter durch Elon Musk erklärt hatten, künftig auf den Nachrichtendienst verzichten zu wollen, sind in der Mehrheit zurückgekehrt. Ganz ohne X geht es dann wohl doch nicht.
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